Meine Liebesgeschichte - Wie Patchwork die Liebe zu mir selbst entzündet hat

Seit einigen Jahren lebe ich in einer Patchworkfamilie mit meinem Partner und seinen beiden Kindern. 

Als ich meinen Partner kennenlernte, war er 9 Monate getrennt von der Mutter der Kinder. Ich dachte: “9 Monate… ist genug Zeit, das kann klappen mit uns”. Ich hatte noch nie zuvor  einen Partner mit Kindern und las mich erst einmal in die Thematik ein. In einem Internet-Forum für Patchwork las ich, es brauche durchschnittlich sieben Jahre bis eine Patchworkfamilie zusammenwächst. Ich war geschockt. 7 Jahre, dann bin ich ja schon 44… Ich war überzeugt, dass das auch schneller möglich sein könnte, und dafür wollte ich alles mir Mögliche tun. 

Anders als gedacht

Und dann passierte es. Der Start erwies sich deutlich schwieriger als gedacht. Die Mutter der Kinder lehnte mich ab, unser Kennenlernen ungeplant, emotional, vor den Kinder… es folgten Jahre des Schweigens und des Kontaktabbruchs zwischen ihr und mir. Die Kinder zeigten mir ihre gespaltene Haltung und hielten mich in der Öffentlichkeit auf großer Distanz. Ich zog mich immer mehr zurück, mied das Dorf und ging weiteren ungeplanten Treffen mit der Mutter der Kinder aus dem Weg. Ständig kreisten meine Gedanken um die Mutter der Kinder, und ich war sehr eifersüchtig auf sie und die Zuneigung, die sie von ihren Kindern bekam.

Wie das 5. Rad am Wagen

In dieser Zeit habe ich viele Tränen vergossen, mich oft abgelehnt und ungerecht behandelt gefühlt, wie das 5. Rad am Wagen, nicht wertgeschätzt für all das, was ich für die Kinder tat. Manchmal war ich mutlos und wäre am liebsten weggelaufen.

Lieben was ist…

Dem Himmel sei Dank hatte ich eine riesige Unterstützung: Die Methode, mit der ich seit Jahren als Coach mit meinen Klienten und mir selbst arbeite: 

The Work von der Amerikanerin Byron Katie. 

“Lieben was ist” – so heisst ihr Bestseller, den ich hoch und runter gelesen habe. Und doch, es fiel mir oft schwer, zu lieben was war: Wenn die Kinder und mein Partner in der Öffentlichkeit Hand in Hand – ohne mich, wenn die Kinder äußerten, dass sie sich wünschen, dass Mama und Papa wieder zusammen leben, wenn Muttertag war und niemand mir eine Aufmerksamkeit schenkte und all die vielen kleinen Alltagssituationen, in denen ich mich nicht zur Familie zugehörig fühlte.... Da brauchte es oft erst The Work bis ich wieder in die Lage kam, das zu lieben was gerade war.

Das Go First Prinzip

Immer und immer wieder überprüfte ich mit The Work mein Denken: Sie sollte nicht so zickig sein, die Kinder sollten im Auto mit mir reden, die Mutter sollte auf mich zukommen, die Kinder sollten mich in der Öffentlichkeit nicht ablehnen… immer wieder fragte ich mich, ob mein Denken wirklich wahr war. Immer wieder ging ich auf die Suche nach dem, was mein Verstand in den jeweiligen Stress-Situationen übersah. Immer wieder trainierte ich meinen Denkapparat in Perspektivwechseln die Dinge von verschiedenen Standpunkten aus zu sehen. Immer wieder lebte ich das Go First Prinzip von Byron Katie, was darin besteht, zu lernen, sich selbst das zu geben, was man vom anderen gern hätte und dem anderen zuerst das zu geben, was man gern von ihm hätte – ohne etwas im Gegenzug zu erwarten.

Du brauchst nicht nach Indien zu reisen

Byron Katie sagt: “Du brauchst nicht nach Indien zu reisen, um deinen Guru zu finden. Du lebst bereits mit einem.”

Ja, ich lebte bereits mit meinen Gurus, die mir immer wieder spiegelten, wo ich etwas von ihnen wollte: Liebe, Bestätigung, Anerkennung… Das Gefühl zu ihrer Familie dazu zu gehören… Und dann gaben sie mir nicht das, was ich wollte, wann und wie ich es wollte, und ich wurde innerlich zum Opfer.

“Alles geschieht für dich.” Byron Katie

Mit fortschreitendem Work-Prozess konnte ich die Nöte, Sorgen und Ängste der Kinder und der Mutter immer besser verstehen. Ich lernte immer mehr, für mich da zu sein, gut für mich zu sorgen, und immer wieder das Herz und die Arme für mein jeweiliges Gegenüber zu öffnen. Irgendwann war ich mutig und frei genug, Kontakt zur Mutter der Kinder aufzunehmen und es geschah für mich ein Wunder. Sie war interessiert, mich kennen zu lernen.

Es ging langsam, für einen ungeduligen Menschen wie mich, oft zu langsam… und es ging, in dem Tempo, was jedes einzelne Familienmitglied inklusive Mutter der Kinder zulassen konnte. Während ich gerade reflektiere wie es früher war, ehrlich, ich kann es kaum mehr glauben, dass es so war… Denn heute sind die Mama der Kinder und ich befreundet, wir treffen uns, haben beim letzten Schulfest zusammen an einem Tisch mit anderen Eltern gegessen und mit ihr hatte ich mir am meisten zu erzählen und zu lachen. Zum letzten Muttertag hat sie mir ein wunderschönes Herzamband geschenkt, denn sie wollte nicht, dass ich traurig bin am Muttertag… die Kinder haben sich entspannt, ich habe ein Leben im Dorf mit allem, was dazu gehört…

"Es braucht nur eine Person, den Krieg zu beenden. Dich!” Byron Katie

Ich durfte die Erfahrung machen, dass so viel möglich ist an Veränderung. Und dazu braucht es genau eine Person: DICH. 

Wenn du dich veränderst, ändert sich alles. 

Tränen fliessen bei mir auch noch heute. Heute allerdings oft aus Dankbarkeit und Rührung für das, was ist. Ich habe in den letzten Jahren so viel über mich selbst gelernt und vor allem, mich zu lieben, meine eigene Achse zu sein, die anderen aus der Verantwortung zu entlassen und sie so zu lieben wie sie sind. 

Es ist meine Herzensangelegenheit meine Erfahrungen mit dir zu teilen und weiter zu geben. Sehr gern unterstütze ich dich auf deinem Weg ins Patchworkglück. 

Ach ja, und sieben Jahre hat es nicht gebraucht – bereits im dritten Jahr passierte die Veränderung.

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