Ich vermisse meine Freunde. Ist das wahr? Wen ich wirklich vermisste und andere Irrtümer…

Normalerweise schreibe ich in meinem Blog über Ereignisse und Erkenntnisse, die mit meinem Patchworkleben zu tun haben. Heute möchte ich eine Erinnerung mit Dir teilen, die nichts mit Patchwork zu tun hat, sondern mit der Suche nach dem, was fehlt.

Auf der Suche nach dem, was fehlt
Nach der Trennung von meinem ersten Ehemann, der an meiner Seite war seit ich ein Teenager war, zog ich von Berlin nach Mallorca. Als ich mit 33 Jahren zum ersten Mal allein lebte, wusste ich nichts mit mir anzufangen. Ich konnte keine Stille ertragen und hatte große Mühe mit der Umstellung von einem Leben mitten in Berlin auf ein kleines Dorf auf Mallorca und vor allem fiel es mir unendlich schwer, auf einmal nicht mehr die Projektionsfläche meines Partners zur Verfügung zu haben. Vor unserer Trennung hatte ich die Illusion, dass nach unserer Trennung für mich Vieles leichter wäre. In den ersten Monaten nach der Trennung wurde ich allerdings derart gepackt von Trauer, Verzweiflung, Angst und Enttäuschung, dass es mir zwar anders ging aber nicht unbedingt besser.

Das ist gerade der perfekte Moment
Nach und nach wurde es friedlicher in mir, ich durchlief in dieser Zeit das Zertifizierungsprogramm von Byron Katie und hatte einen wunderbaren Rahmen, um mit mir selbst zu arbeiten. Ich workte in dieser Zeit fast jeden Tag, hatte den Fernseher abgeschafft und überprüfte viele, viele stressige Konzepte, die mich quälten. Eines abends sass ich auf meinem Balkon, es war eine laue Sommernacht, ich sah die Sterne und schaute auf den wunderschönen Berg Randa. Eine starke Welle von Glück und Berührung überkam mich. Ich dachte, das ist gerade der perfekte Moment. Hier ist er. Einfach da. Es gibt nichts zu tun und alles ist perfekt. Ich war unendlich dankbar, diesen Frieden zu spüren, den ich so lange gesucht und nicht gefunden hatte.

Und zack, da war der Frieden vorbei
Da setzte plötzlich eine berührende klassische Musik ein, die vom Marktplatz von Llucmajor kam und wunderbar zu hören war auf meinem Balkon. Und zack, da war der Frieden und das Glück vorbei. Auf einmal war neben der Musik auch ein Gedanke aufgetaucht: “Ich vermisse meine Freunde.” Mein ganzes System reagierte auf diesen Gedanken mit Gefühlen von Trauer. Ich glaubte, ich sei allein und so fühlte ich mich dementsprechend. Die Tränen begannen zu fliessen und das Gefühl von Einsamkeit wurde immer stärker und unerträglicher für mich.

Der Geistesblitz
Bis mich ein Geistesblitz traf! Auf einmal erkannte ich, dass ich mich Minuten zuvor unendlich glücklich gefühlt hatte. Ich hatte die Erfahrung von Frieden und Vollständigkeit gemacht, doch wo war all das nun hin? Vor dem Gedanken “Ich vermisse meine Freunde” tiefes Glück, nach dem Gedanken “Ich vermisse meine Freunde.” tiefe Trauer. Nichts hatte sich im Aussen verändert. Ich sass immer noch allein auf dem Balkon, also konnten die äusseren Umstände niemals der Grund sein für die Veränderung in der Wahrnehmung von glücklich zu traurig. Ich begriff, dass ich gerade eine unwahre Geschichte glaubte, die Geschichte, dass ich meine Freunde vermisste und mit ihnen noch glücklicher wäre.

"Es sind die Gedanken, die unerträglich sind, nicht die äußeren Umstände."
Byron Katie

Ich begann den Gedanken zu überprüfen mit der Hilfe von The Work of Byron Katie. Als ich zu den sogenannten Umkehrungen kam, den Perspektivenwechseln, die es in der Work gibt, wurde aus “Ich vermisse meine Freunde.” “Ich vermisse mich selbst.”

Und diese Erkenntisse berührte mich sehr, ich spürte, dies war die Wahrheit. Ich vermisste mich selbst, ich wusste halt noch nicht so viel mit mir selbst anzufangen und die Dinge einfach nur in mir zu geniessen und unabhängig von anderen zu sein. Ja, das war wohl der Kern, ich vermisste mich und glaubte, ich vermisse meine Freunde. Ich spürte die Erleichterung nach der Erkenntnis, dass ich der Mensch war, den ich vermisste, denn ich war ja da, 24 Stunden 365 Tage im Jahr.

"Wenn Du entdeckst, dass alles Glück in Dir liegt, dann ist das Wollen und Brauchen vorüber."
Byron Katie

Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder die andere, wieso mich das erleichterte, wo ich doch immer noch allein auf dem Balkon sass ohne Freunde?

Weil ich erkannte, dass es nur darum ging, zu lernen, mir selbst nahe zu sein, mir selbst, meine beste Freundin zu werden, mir selbst zu genügen, mich liebevoll und fürsorglich zu behandeln. Ich erkannte, dass all das in meinen Händen lag, wenn ich bereit war, diese Herausforderung anzunehmen. Wenn ich bereit war, kein Opfer der äusseren Umstände mehr zu sein, sondern, meine Selbstverantwortung wahr zu nehmen und mit mir zu arbeiten.

The Work hat mir nach und nach den Weg gezeigt, heraus aus Abhängigkeit, Angst, Unruhe und Unzufriedenheit hin zu einer stabilen Beziehung zu dem wichtigsten Menschen in meinem Leben, zu mir.

“Es ist nicht Deine Aufgabe, mich zu lieben - es ist meine.”
Byron Katie

Mit jedem Gedanken, den ich auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüfe, fällt das Kartenhaus der Geschichten mehr und mehr zusammen. Ich liebe den Raum, der entsteht, wenn ich erkenne, dass ich mich geirrt habe, dass ich verwirrt war und wieder zurückfinde in das wunderbar freundliche Hier und Jetzt und zu mir.

In meinem Erleben ist es das Liebevollste, was ich für mich und meine Mitmenschen tun kann, die Beziehung zu mir selbst in Ordnung zu bringen. Alles andere im Aussen kann dann ganz von selbst an seinen Platz fallen.

Weitere Infos zum Thema Selbstliebe:
Wochenendworkshop: Liebe Dich selbst!
14.-15.04.2018 in Münster
mit Gerlinde Heiming und Kerstin Esser