“Ich werde nie einen Mann finden, der bei mir bleibt, wenn er mich nicht braucht.”

Eine Geschichte über Glaubenssätze, sich selbst erfüllende Prophezeiungen und andere Katastrophen

“Ich werde nie einen Mann finden, der bei mir bleibt, wenn er mich nicht braucht.”

Autsch, das zu glauben tut echt weh.

Wie muss sich die Frau fühlen, die das glaubt?
Abhängig, unsicher, verkrampft, ängstlich, eifersüchtig, gezwungen ...

Und wie verhält sich wohl diese Frau, die glaubt, dass ein Partner nur so lange an ihrer Seite bleibt, wie er sie braucht?

-       sie sagt oft ja, obwohl das Herz NEIN schreit
-       sie gibt mehr als sich richtig anfühlt
-       sie landet irgendwie immer wieder bei Männern, die finanziell nicht auf eigenen Beinen stehen
-       sie übernimmt die Rolle der Versorgerin in der Familie
-       sie kann nachts oft nicht schlafen
-       sie ist oft sehr wütend und lächelt nach außen

Diese Frau war ich.

Prinzip Hoffnung
Ich war mir nicht einmal bewusst, dass dieser Glaubenssatz mit so verheerenden Wirkungen in mir schlummerte und mein ganzes Leben bestimmte. Damals war ich verwirrt und hoffte stets, dass der andere sich ändern würde. Und dann, wenn meine Hoffnungen sich erfüllen würden, ja dann würde ich endlich glücklich sein.

Wenn Du Dich jetzt nicht auf den Weg machst...
Kurz vor meinem 30igsten Geburtstag stand ich verkatert und rauchend auf unserem Berliner Balkon und hörte in mir die Worte: „Kerstin, wenn Du Dich jetzt nicht auf den Weg machst, wirst Du mit 40 genauso hier stehen.“
Also machte ich mich auf den Weg: Therapie, Persönlichkeitsentwicklung, Fernstudium, NLP, The Work... Ich wollte auf keinen Fall mit 40 genauso frustriert auf unserem Balkon in Berlin stehen...
In den kommenden Jahren lernte ich sehr viel über mich.

Das Ende einer Ehe
Mit 33 Jahren endete meine erste Ehe nach 19 Jahren Beziehung. Ich war am Ende und hatte noch nie zuvor einen so tiefen Schmerz gespürt. Meine große Liebe... gescheitert...
Bereits in meiner ersten Ehe übernahm ich die Rolle der Versorgerin. Die Wahrheit, die ich lange vor mir versteckt hatte, war, ich hatte Angst, verlassen zu werden, wenn ich nicht mehr für den anderen sorgen würde. Und genau das passierte. und als ich endlich kommunizierte, nicht mehr 100 % der finanziellen Verantwortung in der Ehe tragen zu wollen, endete die Partnerschaft.
Wasser auf meine Mühlen...

Nie wieder...
Ich schwörte mir selbst, „Kerstin, das machst du nie wieder. Du wirst dich nie wieder auf einen Mann einlassen, der finanziell nicht auf eigenen Beinen steht.“
Ich wanderte aus nach Mallorca und arbeitete mit zwei wunderbaren Kollegen in Seminaren rund um The Work of Byron Katie.
Und es brauchte nach der Trennung von meinem Ehemann noch eine weitere Ehrenrunde von 2,5 Jahren mit einem Partner, der kein eigenes Einkommen hatte.  Das Prinzip Hoffnung schlummerte wohl immer noch in mir. „Irgendwann fängt er an, Bewerbungen  zu schreiben. Wenn es ihm besser geht, dann wird er sich eine Arbeit suchen...“

Kehre es um
In den Jahren der Krisen und der Verzweiflung war The Work of Byron Katie mein ständiger Begleiter. Ich lernte, mein Denken zu beobachten und zu hinterfragen. Ich lernte, dass ich nur einen Miniausschnitt der Wahrheit wahrnahm und nach und nach veränderte sich mein Denken. Ich hinterfragte viele Gedanken über mein Selbstbild und den Gedanken, dass ich nie einen Mann finden werde, der bei mir bleibt, auch wenn er mich nicht braucht. In einer sogenannten Umkehrung, einem Perspektivenwechsel, fand ich heraus, dass es viel wahrer war, dass ich einen Mann finden werde, der bei mir bleibt, auch wenn er mich nicht braucht.  Immer mehr erkannte ich, dass es in mir viele sogenannte „Upper Limits“ gab, Grenzen nach oben wie:

- Ich bin es nicht wert.
- Ich werde nie einen Partner finden, der mich so liebt wie ich bin.
- Ich muss etwas tun, um geliebt zu werden
- Wenn ein Mann mich nicht mehr braucht, verlässt er mich.

Diese Glaubenssätze lebten in mir ein Eigenleben und das war im Außen an meinen dysfunktionalen Beziehungen zu sehen.

Ich erkannte, dass „mein Problem“ darin lag, zu glauben, es nicht wert zu sein. Als sich diese und andere Überzeugungen auflösten entstand Raum für Veränderung. Ich ahnte, dass der Mann, der zu mir passt, in mein Leben kommen darf, und zwar dann, wenn ich mir selbst so viel wert sein würde, genau das Leben zu leben, was ich mir erträumte.

Und was ist aus der Frau geworden?
Seit vier Jahren lebt sie an der Seite eines wunderbares Mannes, der mit beiden Beinen im Leben steht, gesund lebt, sein eigenes Geld verdient, ein wunderbarer Vater von zwei Kindern ist und sie nicht braucht. Auf einmal ist alles einfach, im Flow, friedlich und harmonisch.

Hätte mir jemand vor 8 Jahren erzählt, wie ich heute lebe, ich hätte es mir in meinen schönsten Träumen nicht vorstellen können. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Wie sollte ich auch mit all diesen Glaubenssätzen?
Als ich noch mitten in den Dramen und Krisen steckte, erinnerte ich mich oft an einen Satz von Byron Katie: „Alles wird immer schöner.“ Damals erlebe ich diesen Satz von Katie als Affront – als Beleidigung: „Ja, das mag ja für einige Erleuchtete stimmen, für Menschen mit mehr Glück... für mich ist das nicht wahr. Und das, obwohl ich so viel an mir arbeite...“ Ich war ein Opfer meiner Gedanken, die ich glaubte...
Mittlerweile erlebe ich genau das: „Alles wird immer schöner.“ Und was ich meine, verstanden zu haben, ist, es wird immer schöner mit wachsendem Bewusstsein. Je seltener ich die Gedanken, die auftauchen, für bare Münze nehme, umso neutraler und damit schöner nehme ich die Realität war.

Henry Fords Zitat passt da gut:
„Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht:
Du wirst auf jeden Fall recht behalten.“

So durfte ich selbst erleben, wie mächtig unsere Gedankenwelt ist, und wie wunderbar sich alles entfalten darf, wenn ich frage: „Ist das, was du da gerade glaubst, wahr?“