Mein Partner, meine Kinder, deine Kinder und andere Verwirrungen

Mein Partner, meine Kinder, deine Kinder und andere Verwirrungen

Neulich ist mir aufgefallen, wie mit steigender Zusammenwohnzeit mit meinem Partner der Umgang miteinander manchmal weniger liebevoll ist als früher. Vielleicht trifft es auch das Wort respektvoll eher als liebevoll.  

Ein Beispiel: Mein Partner kritisiert das Essen, das ich gekocht habe, nachdem ich über eine Stunde in der Küche gestanden habe und für ihn und seine Kinder und für mich das Abendessen gekocht habe. Er kritisiert mich, und ich mache zu und zeige ihm durch meine Gestik und Mimik, dass ich verärgert bin über seine Kritik. Ich kritisiere ihn ebenfalls, indem ich ihm sage, dass es mich nervt, dass keiner von den Dreien Danke für das Kochen sagt, und er mich obendrein auch noch kritisiert. Wir schauten uns für einen Moment zum ersten Mal in meinr Wahrnehmung richtig böse an. Ich bemerkte, wie ich erschrak und dachte, „oh je, jetzt sind wir auch da angekommen, wo viele Paare sind und wo ich mit früheren Partnern auch gelandet war.“  

Jetzt beginnt die Phase, in der mehr kritisiert wird als wertgeschätzt, in der der Tonfall auch schon mal rauer wird, in der gezickt und gebockt wird. Ich fragte mich, was wohl bei mir dazu geführt hat, dass ich weniger liebevoll mit ihm umging und zum Beispiel nicht offen war für seine Kritik.  

Er ist mein Partner. Ist das wahr?
Mir kam in den Sinn, dass ich häufig sagte oder dachte „mein Partner“... Mein Partner macht dies oder das, oder halt auch nicht.... Mein Partner.... Ich beobachtete, dass der Gedanke, dass Toni mein Partner ist, nicht wirklich positive Auswirkungen hatte auf meine Beziehung zu ihm.  
Spürst du einen Unterschied, wenn du denkst: Mein Partner kritisiert mich. Wenn du denkst er/ sie oder dieser Mann oder diese Frau kritisiert mich. ?
Wie reagiere ich, wenn ich glaube, dass der Mann, der fast jede Nacht neben mir einschläft mein Partner ist? Ich nehme ihn für selbstverständlicher als füher, ich fange an, mich immer mehr in seine Angelegenheiten einzumischen, was er wie tun oder lassen sollte, vielleicht auch nur in meinen Gedanken. Ich reagiere gereizt auf seine Kritik statt offen zu sein und mich zu fragen, wie er Recht haben könnte mit seiner Kritik. Ich bemerke, einen innerlichen Besitzanspruch. Er ist mein Partner.  

Wer wäre ich ohne meine Geschichte?
Wer wäre ich nun, wenn ich nicht den Gedanken glauben würde, dass Toni mein Partner ist? Wer bin ich ohne den Gedanken? Ich würde vorsichtiger und respektvoller mit ihm umgehen. Ich würde darüber nachdenken, was er gesagt hat, da ich seine Meinung schätze, ich würde ihn nicht so böse ansehen. Ich würde sehen, dass er einen langen Tag hatte und mir gesagt hatte, ich brauche nicht zu kochen, ich solle entspannen und duschen gehen. Ich würde einen Mann sehen, der mich liebt und dem es unangenehm ist, wenn ich zu viel mache.  

WOW!
Wow... was für eine Veränderung... mit dem Gedanken, er ist mein Partner bin ich viel mehr im Krieg. Ohne den Gedanken, sehe ich mehr ihn, den Menschen, der Toni heisst und von dem ich immer wieder glaube, er ist mein Partner.  

Deine Kinder...
Genauso konnte ich feststellen, dass ich immer wieder leide, wenn ich das Konzept glaube, seine Kinder sind seine Kinder. Was in meinem Kopf damit verknüpft ist, dass sie seine Kinder sind und nicht meine. Das stimmt ja auch und entspricht der Realität. Und doch: Welche Auswirkungen hat es, wenn ich glaube oder sage, Dein Sohn, Deine Tochter ... statt einfach ihre Namen zu nennen. Wie behandele ich den Vater, die Kinder und mich, wenn ich glaube, er bringt seine Kinder zur Schule? Ich gerate in einen Zustand von Mangel, fühle mich getrennt von ihnen, sehe sie weit weg und werde traurig. Und was ist meine Wahrheit, die Wahrheit in meinem Herzen? Ich erinnere mich an Momente, wo ich neben seiner Tochter schlief und sie mich umarmt hat. Ich erinnere mich daran, dass ich ein sehr liebevolles Gefühl für sie hatte und dachte in dem Moment, so fühlt es sich vielleicht an, wenn man „seine“ Kinder umarmt. In dem Moment gab es in mir keine Trennung mehr.  

Ohne Benennung, ohne Etikett, ohne Label gab es kein Problem. Da war einfach Liebe.
Ich konnte sehen, dass es stimmt, was Byron Katie sagt, dass die Realität so viel freundlicher ist als meine Geschichten über die Realität, die ja nur ein Miniausschnitt einer riesigen Realität ist, von der ich mit meinen Wahrnehmungsfiltern nur einen kleinen Teil sehen kann. Jeder Gedanke, und scheint er noch so real zu sein wie z.B. "Dein Kind", trennt mich von dem Ganzen, was es zu erleben gibt. 
Vielleicht machst du einmal das Experiment, in dem du hinterfragst, dass dein Partner/in dein Partner/in ist, dein Kind dein Kind ist, deine Mutter deine Mutter ist usw. und schaust, was es ohne dieses Etikett, ohne diesen Wahrnehmungsfilter alles zu entdecken gibt. Ich wünsche dir eine spannende Reise.  

Alles Liebe

„Deine“ Kerstin ;-)