Während ich diese Zeilen hier schreibe, sitze ich gerade im Flieger mit meinem Eltern auf dem Weg nach Thailand. Und in Thailand nahm mein jetziges Leben Form an. Vor 5 Jahren schenkte mir mein Vater zum thailändischen Lichtfest einen Ballon, den man mit Wünschen in die Luft steigen lassen konnte. Ganz westfälisch sagte er zu mir: “Mädgen, nun wünsche Dir mal was Vernünftiges.” Ich war gerade frisch getrennt und ziemlich unglücklich.

Der Mann meiner Träume 
Also gut, wie soll er sein, der Mann meiner Träume? 
Eine gute Beziehung zu seiner Familie soll er haben, kinderlieb und offen für Kinder sein, gesund ohne Süchte, finanziell unabhängig von mir, stabil und humorvoll. Ach, und wenn ich schon wünschen darf, ich möchte auch nicht mehr frieren auf Mallorca im Winter.

Der Tag, an dem Mr. Right in mein Leben trat
Ein paar Monate später hatte ich ein Date mit einem Mallorquiner. Ich fragte ihn, wie seine Familie so sei, und er erzählte mir, von seinen Eltern, die er fast jeden Tag sehe, seinen Geschwistern, seinen beiden Kindern, er sei Unternehmer und er installiere Heizungen. 

Mir stockte der Atem, alles, was auf meinem Wunschzettel gestanden hatte, als ich in Thailand den Ballon fliegen liess kam da gerade aus seinen Mund… 
Sollte das wirklich wahr sein? 
Könnte es sein, dass mein Traum sich gerade erfüllte?
Mein Herz schlug stark in meinem Brustkorb und Gedanken wirbelten in sekundenschnelle durch mein verwirrtes Hirn.

Ja, und so kam es, sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende….

Nein, so einfach war es dann doch nicht…. 
Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich mit einer Patchworkkonstellation zu tun. Ein Mann mit Kindern – völliges Neuland für mich…
Ich ging voll motiviert, unerfahren, naiv und optimistisch an die Sache ran. 

Und dann kam alles anders… 
Die ersten zwei Jahren waren schwierig, meine Integration gestaltete sich mühsam und steinig. In der ersten Zeit habe ich oft Tränen vergossen. 

Wieder war sie da, diese enorme Angst, nie eine Familie zu haben, nie wirklich dazu zu gehören… 
Ich ahnte, dass die Kinder sich nie entspannen können würden, wenn wir Erwachsenen es nicht hinbekämen, wertschätzend und normal miteinander umzugehen.

Ich begann meine Gedanken und Erfahrungen in einem Blog zu verarbeiten mit dem Titel: “Wir sind eine Familie. Ist das wahr?” und ich stellte all meine stressigen Gedanken über die Kinder und ihre Mutter in Frage.  
Es gab viele, viele Works in der Zeit, und immer wieder erkannte ich meine Anteile am Geschehen, und vor allem lernte ich, wie ich mir selbst die Liebe, die Akzeptanz und die Integration geben konnte, die ich im Außen bei den Kindern und ihrer Mutter suchte. 

The Work bedeutet Arbeit. Byron Katie sagt: “Ich nenne es nicht umsonst Die Arbeit.”
Und ja, es war harte Arbeit und heute sage ich, es hat sich gelohnt.

Heute fühle ich mich sehr glücklich und stabil, kann viel besser damit umgehen, wenn ich im Außen nicht das bekomme, was ich gern hätte, und ich habe gelernt, für mich da zu sein in herausfordernden Situationen. Ich liebe meine Patchwork-Kinder und ihre Mama, wir treffen uns, feiern Geburtstage der Kinder zusammen, ich kann die Mama bei Fragen oder Sorgen immer ansprechen und sie hilft mir… 

Heute finde ich: Wir sind eine tolle Patchwork-Familie geworden und dafür bin ich unendlich dankbar.

Was ich durch unseren Prozess gelernt habe, ist, dass so viel Veränderung und Transformation möglich ist, so viel mehr als wir glauben.
Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, immer wieder das eigene Ego zu hinterfragen und mit dem Herzen zu schauen. 
Und, dass alles wirklich immer für mich geschieht und nicht gegen mich, wie Byron Katie oft sagt. Denn ohne diese Herausforderungen wäre ich vermutlich nicht so gewachsen, hätte mich nicht so intensiv mit Selbstliebe, Beziehungen und Patchwork beschäftigt…